Plötzlicher Tod eines Kollegen oder einer Kollegin:
Wie verhalte ich mich?
Ein Arbeitskollege ist verstorben, und Sie sind unsicher, wie Sie mit dem Tod des Kollegen oder der Kollegin umgehen sollen? Der Blogartikel teilt
- Gedanken zum Verhalten von Kollegen und Kolleginnen, und
- Impulse, was Sie mit anderen Kolleg_innen zusammen tun können.
Dies ist der dritte Teil einer Serie. Teil 1 verlinkt und sammelt Aufgaben für HR und Führungskräfte, wenn ein Mitarbeitender stirbt. Teil 2 stellt Leitplanken für die Kommunikation zusammen. Teil 4 behandelt den Fall, wenn ein Kollege oder eine Kollegin trauert.
Stirbt ein Kollege oder eine Kollegin, darf das erst einmal Angst machen. Das gilt erst recht, wenn der Tod plötzlich kam oder vielleicht sogar am Arbeitsplatz geschehen ist.
Denn einerseits haben Sie sich oft gesehen, regelmäßig zusammengearbeitet, oder sich eventuell sogar gut verstanden. Andererseits haben Sie möglicherweise wenig Persönliches ausgetauscht, gar nicht ungewöhnlich am Arbeitsplatz. Schließlich teilen viele Menschen Privates nur mit ausgewählten Kolleg_innen oder gar nicht am Arbeitsplatz.
Daher ist eine Unsicherheit, wie Sie mit dem Tod des Kollegen oder der Kollegin umgehen sollen, nicht ungewöhnlich.
Hier lesen Sie Tipps, wie Sie sich verhalten können und finden Impulse für gemeinsames Tun.
Doch zunächst widmen wir uns der Frage: Ist das überhaupt ein Thema in Deutschland?
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Arbeitskollege verstorben – und jetzt?
Selbst wenn Sie den Kollegen oder die Kollegin nicht gut kannten, ist es befremdlich, wenn der Tod ins Büro, in die Werkshalle oder den Pausenraum einbricht. In Unternehmen wird etwas so Persönliches wie Trauer oft ungern mit-geteilt.
Dieser Artikel richtet sich an Kolleg_innen des oder der Verstorbenen. Falls Sie als Führungskraft in Ihrem Team über den Tod eines_r Mitarbeitenden sprechen müssen, werfen Sie einen Blick in diese Tipps für Führungskräfte.
Plötzlicher Tod eines Arbeitskollegen kann Angst machen: mit Führungskraft oder Vertrauensperson sprechen
Auch als Kollege oder Kollegin des oder der Verstorbenen darf Sie der Tod betreffen. Wenn es Ihnen nicht gut geht: Sprechen Sie mit der Führungskraft oder einer Vertrauensperson darüber.
Im Gespräch mit einer Vertrauensperson (die natürlich auch Ihre Führungskraft sein kann) können Sie loswerden, was Sie beschäftigt. Das kann etwa die Erschütterung über den plötzlichen Tod eines Kollegen sein, oder der Schock, wenn Sie enger mit dem_der Verstorbenen gearbeitet haben. Und es darf eigene Ängste berühren.
Falls Sie sich Gedanken um die Arbeitsverteilung machen oder die Auswirkungen auf Ihre Arbeit, sollten Sie ein Gespräch mit der Führungskraft suchen. Hier können Sie bei Bedarf auch Signale geben, falls Sie durch den (plötzlichen) Tod eines Arbeitskollegen gerade nicht in der vollen Leistungsfähigkeit stehen. Wenn dringende Projekte oder Aufgaben anstehen, könnten Sie die Bitte um Unterstützung mit ins Gespräch nehmen.
Kollege verstirbt: Mit Nachhall rechnen
Manche Menschen weinen bei einer Todesnachricht spontan; andere möchten sprechen oder im Gegenteil allein sein; und wieder andere gehen scheinbar zur Tagesordnung über. Jede Reaktion ist denkbar.
Wichtig zu wissen ist dabei: Wenn ein Kollege verstorben ist, kann die Nachricht „nachhallen“. In den Fällen folgt zum Beispiel abends eine Reaktion, oder in den nächsten Tagen. Achten Sie auf sich und die Menschen im Umfeld. Vielleicht sind Sie bei Ungeduld oder fehlender Konzentration auch etwas nachsichtiger als sonst.
Über den verstorbenen Kollegen sprechen
Auch wenn es zuerst seltsam erscheinen mag: Sprechen Sie mit Kolleg_innen über den Verstorbenen. Ein Satz beim Morgenkaffee wie „Komisch, dass er (oder sie) nie wieder da sein wird“ kann das Eis brechen. Auch wenn es vielleicht erst mal nur wenige Menschen ansprechen, können Sie sich sicher sein: Die meisten bemerken die Leerstelle. Es ist schade, wenn sie mit einem Elefanten im Raum gefüllt wird.
Wenn Sie und weitere Menschen im Team oder Unternehmen das Bedürfnis haben, können Sie das Gespräch über den bzw. die Verstorbene_n ausbauen: Erinnern Sie sich gemeinsam an das, wofür diese Person im Team oder in der Abteilung stand, was er oder sie angestoßen oder verbessert hat, und wann der oder die Tote besonders fehlt. Seien Sie dabei bitte sensibel, wenn jemand das nicht möchte – unabhängig von den Gründen!
Sprechen ja, Flurfunk nein
Es ist okay, über das zu sprechen, was allgemein bekannt ist. Und auch, wenn es Sie sehr interessiert: aus Respekt vor dem oder der Verstorbenen; aus Respekt vor den Hinterbliebenen; und als Geste an die Kolleg_innen, die vielleicht näher mit dem verstorbenen Kollegen oder der verstorbenen Kollegin zusammen gearbeitet haben, sind Fragen aus reiner Neugier oder Spekulationen zum Beispiel über die Todesursache nicht angebracht.




Tod eines Arbeitskollegen: Ideen für gemeinsame Trauer-Gesten
Manchmal wünschen sich Mitarbeitende, ihrer Trauer und Erschütterung durch eine gemeinsame Geste in eine Form zu bringen. Diese kann unternehmensweit sein, oder von einer Abteilung oder einem Team kommen. Unten gibt es einige Impulse; was passt, hängt von den Menschen im Unternehmen und der Unternehmenskultur ab.
Für alle Ideen gilt: Kolleg_innen, die Sie wegen einer gemeinsamen Geste ansprechen, sollten schon vom Tod des Arbeitskollegen bzw. der Kollegin wissen. Und es ist in Ordnung, wenn jemand sich nicht beteiligen möchte.
- Kondolenzkarte an die Hinterbliebenen,
dabei gilt: mehr ist weniger. Lieber ein passender Satz mit vielen Unterschriften als eine Fülle von Worthülsen. Und bitte kein Briefpapier des Unternehmens verwenden. - Blumen senden, mit der Kondolenzkarte oder gesondert.
- Gedenkort im Unternehmen einrichten: mit Foto, Blumen, evtl. e-Kerze (Vorsicht bei echten Kerzen, sie sind in Büro-Umgebungen i. d. R. nicht zulässig).
- Kondolenzbuch auslegen für Abschiedsworte der Kolleg_innen, oder digitales Pendant schaffen; beides kann später an Hinterbliebene übergeben werden. Wenn Kollegen nicht an der Trauerfeier teilnehmen können, weil sie z. B. über verschiedene Standort verteilt sind (Projektorganisation) oder beim plötzlichen Tod eines Kollegen, ist das Kondolenzbuch umso wichtiger.
- Gesteck oder Kranz zur Beisetzung organisieren;
bei Urnenbestattung ist oft nicht viel Platz am Grab. Ein Gutschein von einem ansässigen Friedhofsgärtner könnte eine Alternative sein. - Geld sammeln für Hinterbliebene, zum Beispiel als Beitrag für Beisetzungskosten (Vorsicht: kann als übergriffig angesehen werden).
- Nach Absprache mit An- und Zugehörigen: Kolleg_innen können die Beisetzung besuchen.
- Falls es nicht (für alle) möglich ist, die Beisetzung zu besuchen, kann im Unternehmen eine Abschiedsfeier stattfinden.
- Falls die Abschiedsfeier nach der Beisetzung geplant ist, könnten die Hinterbliebenen eingeladen werden.
- interne Würdigung oder Nachruf im Intranet oder am Schwarzen Brett veröffentlichen, Inhalte können sein: Woran erinnern wir uns? Wofür stand diese Person? Was schätzten wir besonders an ihr? Ein guter „Absender“ sind neben der Unternehmensleitung die Führungskraft oder die direkten Team-Kolleginnen.
Tipp: Der Nachruf eines Mitarbeiters bei plötzlichem Tod sollte Angebote enthalten, wenn Kollegen von der Nachricht geschockt sind - Externer Nachruf für Mitarbeiter bei plötzlichem Tod: Dieser wird meist von der Unternehmensleitung oder dem Standort in Absprache mit der externen Kommunikation oder HR geschaltet. Ganz wichtig: Den Nachruf für den Mitarbeiter erst nach der Familie veröffentlichen! Ein wertvoller Artikel zu den Fallstricken gerade bei Trauerkarte und Nachruf gibt es in diesem Artikel bei karriere.de.
Falls Sie aus dem Team / dem Kreis der Kolleg_innen etwas planen, lohnt es sich abklären, was von der Unternehmensleitung geplant ist: oft wird dort ein Kranz bestellt, oder ein Nachruf in einer Zeitung geschaltet.
Plötzlicher Tod eines Arbeitskollegen – und die Zeit bleibt nicht stehen …
Die sicher schwierigste Phase im Unternehmen kommt, wenn der Tod eines Kollegen oder einer Kollegin schon ein paar Wochen vergangen ist: Was passiert mit dem Arbeitsplatz an Schreibtisch oder Werkbank? Was mit dem Spind oder Rollcontainer? Und ist es pietätlos nachzufragen, ob oder wann die Stelle wieder besetzt wird?
Arbeitsplatz und persönliche Gegenstände
Über den Arbeitsplatz des verstorbenen Kollegen / der verstorbenen Kollegin entscheiden im Idealfall die Menschen (mit), die es im Unternehmen direkt betrifft, also Büro-Nachbarn und direkte Kolleg_innen. Sie können in den ersten Tagen nach dem Tod des Kollegen Vereinbarungen treffen: Wollen wir in zwei Wochen darüber sprechen, ob wir den Arbeitsplatz aufräumen oder ihn noch stehen lassen? Ist das o. k. für alle? So vermeiden Sie, dass sich jemand trauen muss, das Thema anzusprechen.
Sie werden merken, wann genügend Zeit vergangen ist. Räumen Sie den Arbeitsplatz eventuell gemeinsam auf.
Bitte seien Sie dabei behutsam: Werfen Sie bitte nichts unbedacht weg. Packen Sie persönliche Gegenstände lieber zusammen, falls die Hinterbliebenen diese abholen möchten.
Gedenken gewünscht?
Überlegen Sie, ob Sie Geburtstag oder Todestag der verstorbenen Person notieren möchten. Vielleicht ist im Folgejahr ein guter Zeitpunkt, sich bei den Hinterbliebenen zu melden, wenn Sie mit Arbeitskollegen oder der Kollegin gut bekannt waren.
Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie z. B. den Geburtstag im Team ansprechen möchten, und so an den verstorbenen Arbeitskollegen erinnern: Überlegen Sie, wie oft der Name des Kollegen oder der Kollegin in der Zwischenzeit gefallen ist (nicht von Ihnen erwähnt). Und entscheiden Sie von dort aus.
Wann wird die Stelle wiederbesetzt?
Sprechen Sie eventuell als Team mit Ihrer Führungskraft, wann und wie die Stelle wiederbesetzt wird. Wenn die Stelle schnell ausgeschrieben wird, könnte sich das komisch anfühlen. Gleichzeitig gilt: Bis jemand wirklich auf der Stelle startet, dauert es ja in der Regel noch. Dafür bekommen Sie aber schneller Entlastung.
Apropos Entlastung: Priorisieren Sie mit der Führungskraft Aufgaben und Projekte. Eventuell können Kolleg_innen aus anderen Abteilungen kleinere Aufgaben zu übernehmen.
Neue Kollegin oder neue Kollege startet
Egal, wie lange es dauert: Irgendwann startet eine neue Kollegin oder ein neuer Kollege ins Team. Entweder auf die Stelle der verstorbenen Person oder in eine neu geschaffene Rolle. In beiden Fällen kann es seltsam sein, für beide Seiten.
- Die Menschen im Team begrüßen vermutlich die Entlastung von zu vielen Aufgaben, und gleichzeitig sind (einzelne) Team-Mitglieder vielleicht noch mit der Verarbeitung des Verlusts beschäftigt.
- Der oder die neue Kolleg_in startet (ohne eigenes Zutun) in eine möglicherweise emotional aufgeladene Konstellation und weiß evtl. nichts über die Vorgeschichte seiner Stelle.
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Damit ein gutes Ankommen für beide Seiten möglich wird, ist es wichtig, dass beide Seiten mit Offenheit und Feingefühl in die Arbeitsbeziehung starten.
Was neuen Kolleg*innen helfen kann:
- Sagen Sie, warum die Stelle frei ist, wenn ein Bewerber oder eine Bewerberin nachfragt. Geben Sie zudem Infos, wie das Team mit dem Verlust umgeht und wie Sie die Einarbeitung planen.
- Seien Sie offen für den Menschen hinter dem neuen Kollegen oder der neuen Kollegin. So verhindern Sie, den oder die neue_n Mitarbeitende_n als einen Ersatz für die verstorbene Person zu sehen.
- Falls Sie Aufgaben und Zuständigkeiten umverteilen wollten, ist jetzt ein guter Zeitpunkt.
- Wenn es feste Arbeitsplätze gibt: Denken Sie (im Team) nach, wie Sie mit dem Platz des oder der Verstorbenen umgehen. Können Sie eventuell etwas verändern, umräumen, Tische tauschen oder ähnliches? so verhindern Sie, dass Kolleg_innen sagen, der oder die Neue sitze an „X’s Schreibtisch”.
- Wenn es im Team das Bedürfnis gibt, über die verstorbene Person zu sprechen, erzählen Sie der oder dem neuen Kollegen_in von ihr. Vermeiden Sie Vergleiche zwischen beiden Personen, vor allem, was den Arbeitsbereich angeht.
- Sprechen Sie vorher schon im Team ab, was Sie vom Verstorbenen erzählen, und wie viel.
- Machen Sie sich bewusst: für den neuen Kollegen oder die neue Kollegin könnten einzelne Situationen seltsam sein. Sprechen Sie das an, wenn eine Situation das erfordert.
- Machen Sie sich bewusst, was Sie am neuen Team-Mitglied schätzen.
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Tipps, wenn Sie in einem Team starten, in dem jemand gestorben ist
- Wenig Annahmen machen. Jede Person im Team trauert anders und hatte eine eigene Beziehung zur verstorbenen Person. Entsprechend unterschiedlich reagieren Kolleg*innen eventuell auf Sie. Es kann auch sein, dass die Trauer im Arbeitsalltag keine Rolle mehr spielt.
- Fragen: Wenn Sie sich unsicher sind, ob oder wie die Menschen im Team über die verstorbene Person sprechen möchten, fragen Sie den Team-Lead oder jemanden, zu der_dem Sie Vertrauen haben. Ihre Führungskraft oder jemand aus der Personalabteilung können hier gute Ansprechpartner sein.
- Geduld haben: Beziehung und Vertrauen wachsen – geben Sie sich und anderen die Zeit dafür.
- Nach Vorschlägen fragen: Fragen Sie Kolleg_innen eventuell, wie der oder die Vorgänger_in etwas in der Zusammenarbeit organisiert hat, das die andere Person gern beibehalten würde. So zeigen Sie Respekt für die Leistung der verstorbenen Person und kommen ins Gespräch.
- Veränderungswünsche besprechen: Gerade, wenn der_die Vorgänger_in plötzlich gestorben ist oder sehr vermisst wird, kann es hilfreich sein nachzufragen, bevor Sie etwas Gewohntes verändern.
- Trauer würdigen: Sie dürfen Anteil an der Trauer der Kolleg*innen nehmen, ohne diese Trauer mittragen zu müssen.
- Seien Sie Sie-selbst: Es geht nicht darum, jemanden zu ersetzen. Je eher Sie Sie-selbst sind, desto eher können Ihre neuen Kolleg*innen Sie schätzen lernen.
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Dies ist der dritte Teil einer Serie.
- Teil 1 verlinkt und sammelt Aufgaben für HR und Führungskräfte, wenn ein Mitarbeitender stirbt.
- Teil 2 stellt Leitplanken für die Kommunikation zusammen.
- Teil 4 behandelt den Fall, wenn ein Kollege oder eine Kollegin trauert.
- Im Workshop Trauer-Management bereiten HR-Experten Ihre Organisation auf Trauer- und Krisenfälle bei Mitarbeitenden vor.
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