2 Personen Händeschütteln, Kerze im Vordergrund
Bild: Karolina Grabowska, Pexels

Mitarbeiter trauert: Checkliste für Führungskräfte

Was tun, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin trauert? In diesem Artikel bekommen Sie

  • Anregungen für Sofort-Maßnahmen
  • Impulse fürs erste Gespräch mit dem_der Trauernden und dem Team
  • Eine Checkliste für Punkte, die Sie vor dem ersten Arbeitstag klären können.
Fehlt Ihnen etwas? Haben Sie eine Frage? Dann schreiben Sie mir unter hallo (@) trauer-coaching.de.

Mitarbeiter_in trauert: Tipps für Führungskräfte

Verliert ein Team-Mitglied ein enges Familienmitglied, ist es Aufgabe der direkten Führungskraft, Kontakt zum trauernden Team-Mitglied zu halten.

Sofort-Maßnahmen:

  • Mitarbeiter_in schreiben, Mitgefühl aussprechen (s.u.)
  • Blumen oder Karte vom Team organisieren
    > Hier gibt es Sprüche für eine Trauer-Karte
  • Arbeit umorganisieren
  • keine Details zum Todesfall ans Team ohne Einwilligung der trauernden Mitarbeitenden
  • gut für sich selbst sorgen! (mehr gibt es im Artikel “Wenn ein Mitarbeiter stirbt“).

Impulse fürs erste Gespräch

Ob telefonisch oder im direkten Kontakt: Die Führungsperson sucht oder hält Kontakt mit dem oder der Trauernden. Hier ist sie zum einen Vertrauensperson, gleichzeitig vertritt sie den Arbeitgeber, und schließlich wird sie im Nachgang die Interessen des Teams wahren, beispielsweise beim Thema Arbeitsverteilung, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wegen eines Trauerfalls länger ausfällt.

  • Mitgefühl aussprechen
  • Gibt es etwas, das Du mir erzählen möchtest? Vertraulich natürlich!
  • Erneute Absprache: Was dürfen Kolleg_innen wissen? Was sagt die Führungsperson? Und was nicht?
  • Formulierung absprechen, zum Beispiel: “X fällt wegen eines Trauerfalls aus” ok?
  • Eine allgemeine Sprachregelung könnte sein: “XY fällt für einige Zeit aus, ich lasse es Euch wissen, sobald ich mehr sagen kann.”
  • Im Gespräch mit Kolleg_innen – egal ob ad-hoc oder im nächsten Team-Meeting – nur das sagen, was der oder die Trauernde explizit freigegeben hat (mehr im Artikel über Kommunikation bei Trauerfällen).
  • Frage an Trauernde: Möchtest Du, dass sich Kolleg_innen bei Dir melden? Oder soll ich sie explizit um eine Sendepause bitten?
  • Offene Aufgaben ansprechen: Falls Dir ein Projekt oder eine Aufgabe einfällt, zu der Du etwas übergeben möchtest, gern. Ansonsten kümmern wir uns um alles, was anfällt.
  • Nachfragen: Wie wollen wir in Kontakt bleiben? Darf ich mich ab und an melden?

Kontakt halten, bis Trauernde in die Arbeit zurückkehren möchten

Manche Trauernde wollen schnell wieder arbeiten – aus so unterschiedlichen Gründen wie Struktur für den Alltag finden, oder dem Gefühl, etwas unter Kontrolle zu haben. Ermöglichen Sie die Rückkehr, wenn die Tätigkeit es irgendwie zulässt. Andere kehren nach einer längeren AU zurück.

So oder so: Der Wiedereinstieg ist für viele Trauernde schwer.

Sie können einiges tun, um allen Seiten den Einstieg zu erleichtern. Alle Vorschläge verstehen sich mit den Zusätzen: “falls möglich” und “bei Bedarf des_der Trauernden”:

  • Druck rausnehmen, schnell zurückzukehren oder bei Rückkehr “performen zu müssen” – das hilft vielen Trauernden ungemein!
  • Offen fragen: Wie kann Dein Wiedereinstieg gelingen? Was könnte es für Dich machbarer gestalten? Wie sind Deine Vorstellungen?
  • Stufenweise Wiedereingliederung (nach Hamburger Modell) prüfen und anbieten bzw. zustimmen (evtl. mit Personalabteilung klären).
  • Welche Regelungen, Arbeitsverteilungen, und Schutzräume können darüber hinaus helfen?
  • Falls gewünscht und möglich: Jetzt ist der Zeitpunkt für kreative Lösungen bzgl. der Arbeitszeit, mit Überstundenkonto, temporären Teilzeiten, Sabbaticals etc.
  • Sonderurlaubstage ungefragt gutschreiben.
  • Tempo für die Rückübernahme von Verantwortung absprechen, und im 1:1 Gespräch nachjustieren.
  • Kolleg_innen über abgestimmten Fahrplan instruieren.

Vor dem ersten Arbeitstag absprechen:

  • Erneute Absprache: Was sagt die Führungsperson den Kolleg_innen? Was sagt der_die Trauernde? Und was nicht? 
  • Verhalten im Alltag absprechen: Hast Du Wünsche, wie wir / ich / die Kolleg_innen mit Dir umgehen sollen?
  • Dürfen die Kolleg_innen Dich ansprechen? Fragen stellen? Oder möchtest Du Deinen Verlust in der Arbeit lieber im Hintergrund lassen?
  • Kontakthäufigkeit verabreden: “Wie oft sprechen wir uns ab?” Das hilft zum Beispiel, um Vereinbarungen nachzujustieren oder den Workload zu besprechen.

Für eigene Entlastung sorgen

Ein Todesfall kann belasten, auch sie als Führungskraft. Wo können Sie sich entlasten? Mit wem sprechen Sie?

Ein interner Ansprechpartner aus HR, Ihre eigene oder eine befreundete Führungskraft können gute Reflexionspartner sein. Und selbstverständlich können Sie auch auf externe Coaches (wie mich) zurückgreifen.

Dies ist der fünfte Teil einer Serie.

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