Gräber auf dem Alten Jüdischen Friedhof München, inkl. Kindergrab (symbolisiert durch abgebrochene Stele)
Gräber auf dem Alten Jüdischen Friedhof München, inkl. Kindergrab, symbolisiert durch abgebrochene Stele, Foto: Petra Meyer

Trauer um Kinder.
(K)ein neues Phänomen?

Wie haben Eltern früher um ihre Kinder getrauert? Haben Sie in Zeiten geringer Lebenserwartung, hoher Kindersterblichkeit und häufigen stillen Geburten überhaupt getrauert?

Schwer zu sagen. Und doch gibt es Beispiele für die Trauer um Kinder seit der frühen Neuzeit.

>> Haben Sie einen Hinweis für mich? Einen Literaturhinweis oder ein eigenes Foto? Schreiben Sie mir: hallo @ trauer-coaching.de <<

Immer noch treffe ich verwaiste Eltern, in deren Umfeld die Trauer um das verstorbene Kinder totgeschwiegen wird. Damit stirbt das Kind für viele betroffene Eltern ein zweites Mal.

Dieses Totschweigen hat eine lange Tradition, der Widerspruch dagegen fand Ausdruck in der Gründung von Selbsthilfegruppen wie den Compassionate Friends (in den USA) und den Verwaisten Eltern in Deutschland. Nicht zuletzt durch ihre Aufklärungsarbeit darf die Trauer um Kinder öffentlicher werden.

Doch warum ist das überhaupt nötig? Warum muss die Trauer um ein verstorbenes Kind überhaupt rehabilitiert werden?

Annahme: Eltern haben „früher“ weniger getrauert

Eine Annahme, die ich häufiger höre, ist, dass es „früher“ mit einer deutlich höheren Säuglings- und Kindersterblichkeit weniger Trauer um verstorbene Kinder gab. Konkret wird die Kindersterblichkeit auf etwa 40% bis 50% geschätzt:

„Prior to the emergence of modern medicine, sanitation practices, and law enforcement, infancy and childhood presented an array of life-threatening perils (Stearns, 2006). Volk and Atkinson (2008, 2013) estimated that the average mortality rate was roughly 25 % for infants and 40–50 % for children across human evolution.“
aus „Child mortality and parental grief: An evolutionary analysis

Das Argument ist, dass der Tod von Kindern normaler war, und die Trauer dadurch weniger dramatisch, eher alltäglicher. Außerdem gibt es Gedanken wie den, dass die Familie als affektive Bindung ein Konstrukt der Neuzeit ist – und Eltern auch deswegen weniger stark trauerten oder die Trauer kürzer anhielt.

War das wirklich so? Sicherlich war Trauer in Zeiten niedrigerer Lebenserwartungen, sowie höherer Mutter- und Kindersterblichkeit gesellschaftlich „normaler“. Doch wie steht es um die individuelle Trauer als Schmerz der verwaisten Eltern?

Wirklich „wissen“ können wir es nicht, aber es gibt zumindest Gegenbeispiele.

Meine persönliche Geschichte zu diesem Artikel

Im Januar 2020 fielen mir im Domgarten des Doms von Magdeburg drei Kindergräber auf, in zwei von ihnen waren eindeutig Babys beigesetzt, in einem ein Kind. Die Grabplatten waren mit vielen Details gearbeitet.

Als Trauerbegleiterin war mir zu dem Zeitpunkt die oben schon erwähnte Annahme schon begegnet, dass Kinder früher weniger betrauert wurden. Und das galt erst recht für Babys oder Sternenkinder (und gilt noch: Auch manche zeitgenössische Eltern, deren Kinder beim Tod älter waren, blicken auf Eltern von Sternenkinder herab, als wäre deren Trauer weniger real).

Seitdem hat mich die Erinnerung an die Babygräber in Magdeburg nicht mehr losgelassen, stellvertretend für die Frage: Wie haben Menschen früher um ihre Kinder getrauert?

Für meine persönlichen Antworten bin ich aufmerksamer über Friedhöfe gegangen, habe immer wieder recherchiert und Beispiele gesammelt. Und immerhin 4,5 Jahre später bin ich bereit für eine erste Version meines Artikels über die Frage: Was hat es mit der Trauer um Kinder historisch betrachtet auf sich? Ich teile den Artikel in zwei Bereiche: Die Trauer um den Tod von Kindern, die älter wurden und die Trauer um Babys, die in der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt starben.

Belege für Trauer um Kinder

Was haben Plutarch, Mary Shelley und Keanu Reeves gemeinsam? Sie alle sind verwaiste Eltern.

Sie teilen den Schicksalsschlag mit weiteren bekannten Namen wie Sigmund Freud, Justus von Liebig, Friedrich Rückert, Abraham Lincoln, Charles Darwin, Johann Wolfgang von Goethe, Charles de Montaigne, Gotthold Ephraim Lessing, Martin Luther, Christine de Pizan, Petrarca, Einhard oder Margery Kempe.

Alles das „Prominente“, die über ihre Trauer nach dem Tod ihres Kindes sprachen oder schrieben. Und die wichtig genug sind, dass ihre Briefe oder andere persönliche Dokumente aufbewahrt und ausgewertet wurden.

Berühmte „veröffentlichte“ Trauerklagen verwaister Eltern sind Shakespeares „Romeo und Julia“ oder Senecas Brief an eine adlige verwaiste Mutter im antiken Rom, der er (in De consolatione ad Marciam) nach dem Tod ihres Sohnes Mut zuspricht.

Friedrich Rückert hat seinen beiden verstorbenen Kindern Luise und Ernst mit den „Kindertodtenlieder” ein literarisches Denkmal gesetzt. Beide starben 1833/1834 kurz hintereinander an Scharlach.

Achim Aurnhammer hat die Kindertotenlieder der Renaissance untersucht. Er kommt zu dem Schluss, dass die Trauer um Kinder gesellschaftlich mindestens thematisiert wurde und kulturellen Ausdruck fand, und damit wahrscheinlich „normal“ war. Als Beispiel repliziert er eine Darstellung, in der der Tod das Kind aus dem Kreis der Familie reißt.

Die jüdische Beisetzungstradition hat ein starkes Bild für Kindergräber gefunden: Eine abgebrochene Stele symbolisiert den Tod eines Kindes als zu früh, unterbrochen, gewaltsam abgebrochen.

Grabmäler als Zeugen für die Trauer um verstorbene Kinder

Neben Texten geben auch Grabriten und Grabmäler Hinweise darauf, dass Babys betrauert wurden. Beispiele habe ich zum Beispiel zufällig im Domgarten des Doms von Magdeburg und auf dem Alten Südfriedhof in München gesehen.

Im Domgarten von Magdeburg gibt es (wie oben schon erwähnt) zwei Gräber von Babys und eins von einem Kind, deren Grabplatten sehr fein und individuell gestaltet sind. Beide Babys müssen gelebt haben, denn sonst hätten sie nicht im geweihten Boden bzw. direkt am Dom beigesetzt werden dürfen (das ging nur nach einer christlichen Taufe und dazu mussten die Kinder gelebt haben). 

Das waren sicher nicht irgendwelche Kinder, sondern die Kinder höhergestellter Mitglieder der Gesellschaft: Die eine Grabinschrift verrät zum Beispiel, dass Anna Sophia, die Tochter eines Obristen, 1633 mit nur zwei Monaten starb.

Alle drei Grabplatten sind detailliert gearbeitet, die Babys in prunkvoller Kleidung dargestellt und die Gesichter wirken individuell genug, dass sie ein Abbild der Verstorbenen sein könnten.

Was mich besonders berührt: Die Gesichter beider Babys wirken so lebensecht. Sie ähneln sich, wie sich Babys ähneln, aber es sind keine versüsslichten oder verallgemeinernden Darstellung, wie etwa der Cherub-Kopf unten drunter. Auf mich wirken die Darstellungen wie echte Porträts. Das dritte Grab ist von der Größe und der Darstellung her ein älteres Kind. Auch dieses Kind wird auf dem Grabstein porträtiert.

Zeitsprung um mehrere Jahrhunderte mit Ortswechsel: Wir landen wir auf dem Alten Südfriedhof in München, genauer am Grab der Familie Miller. Ferdinand van Miller goss für seine Eltern eine Familiendarstellung, auf der drei Engel zu sehen sind, die drei verstorbenen Kinder seiner Eltern.

Das Thema der Verbundenheit mit verstorbenen Kindern war für van Miller nicht neu: Er fertigte bereits eine Grabplatte für die Familie Humpelmayr an, Münchner Kunsthändler, deren Sohn mit 7 Jahren verstorben war. Auf dem Grabmal wird der verstorbene Sohn zum Engel, der die Mutter tröstet.

Eileen M. Murphy untersuchte die Beisetzungspraktiken von Müttern und verstorbenen Kindern (vorwiegend in Irland) und belegt Fälle, in denen Mutter und Kind gemeinsam beigesetzt wurden. Das muss jedoch nicht zwingend bedeuten, dass Mutter und Kind gleichzeitig starben:

„It should be noted, however, that the presence of a woman and child in one monument does not always indicate simultaneous death. Queen Anna (see Figure 10.2) shared a grave at Basel Cathedral, for example, with her six month old son Karl who had died five years previously“
siehe ‘The Child that is Born of One’s Fair Body’ – Maternal and Infant Death in Medieval Ireland“

Was diese Beispiele gemeinsam haben: Sie setzen dem verstorbenen Kind ein Denkmal und könnten so gelesen werden, dass der Tod des eigenen Babys zumindest nicht ganz ohne Spuren blieb (und sei es nur aus dynastischen Gründen). Sie werden detailgetreu gezeigt, mit Spielzeug, oder die Mutter wird mit dem Baby beigesetzt. Eine Erklärung könnte sein, dass die Eltern getrauert haben.

Trauer um Babys und Sternenkinder ein neumodisches Phänomen?

Auch unter zeitgenössischen verwaisten Eltern gibt es „Trauer-Snobs“, die – selbst Eltern von älteren Kindern – die Trauer um Babys oder Sternenkinder als minder schwere Fälle abwerten.

Damit sind diese Eltern nicht unwesentlich von den Praktiken unserer Gesellschaften beeinflusst: Der Tod von Babys und wurde in der Bundesrepublik wie in der DDR gesellschaftsweit verhuscht, in Westdeutschland wurden Mütter bei einer stillen Geburt bis Anfang der 1980er Jahre sediert, die Eltern durften sich nicht von ihren verstorbenen Babys verabschieden. (S. 25). Durch diese Trennung sollte die Bindung zum Kind gar nicht erst entstehen.

Auch hier spielt die schon zitierte Einstellung eine Rolle, dass der Verlust eines Babys in der Schwangerschaft „früher“ doch ganz normal gewesen sei, ein Ungeborenes oder ein Baby zu verlieren. Über welche Zahlen sprechen wir? Bis 1875 gab es auf 1000 Lebendgeburten circa 40 stille Geburten, begleitet von einer hohen Müttersterblichkeit. Erst seit 1875 reduzierte sich diese Zahl der still geborenen Babys. Seit Beginn der 1990er Jahre sind wir in Deutschland bei aktuellen Quote von 4 stillen Geburten auf 1000 Lebendgeborene (siehe Destastis).

Dieser Rückgang der Rate bei den Totgeburten scheint ein Gegenargument für den erlebten Trauerschmerz von Sternenkinder-Eltern. Als würde die Beziehung zum Kind nicht schon in der Schwangerschaft beginnen, gerade heute, wo die Familienplanung genau bedacht ist. Neben den Grabplatten oben gibt es weitere historisch verbriefte Beispiele, dass Eltern auch früher um ihre in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kinder trauerten.

Historische Texte zeugen für Trauer um Sternenkinder

Lessing schreibt an Silvester 1777 an seinen Freund Johann Joachim Eschenburg über den Verlust seines ersten (und einzigen) Sohnes, der einen Tag nach der Geburt starb:

„Meine Freude war nur kurz. Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! denn er hatte so viel Verstand! so viel Verstand! – Glauben Sie nicht, daß die wenigen Stunden meiner Vaterschaft, mich schon zu so einem Affen von Vater gemacht haben!“

Jeanne de Montbaston zeigt am Beispiel des Testaments von Robert Duckett of Sibton (Suffolk) von 1534 (!), dass die Trauer um ihr ungeboren verstorbenes Kind ihn und seine Frau durch das Leben begleitet hat. Im Testament stiftet Duckett ein Glasfenster, auf dem er und seine Familie inklusive dem still geborenen Kind zu sehen sind:

“I will some token shall be made whereby the souls of me and my wife may be the better remembered and prayed for, with all our children 6 sons and 8 daughters. Whereof one son to lie along [to be depicted lying horizontally] for he was quick in his mother(s) womb, and all her time, yet dead born’.
aus ReadingMedieavelBooks.com

Aus den USA ist das Gedicht einer trauernden und tief gläubigen Mutter veröffentlicht, die 1874 die Tode zweier Kinder betrauert, ihres sieben Monate altes Baby und eines Babys, das nur eine Stunde lebte:

Oh, selfish mother-love! To dare,
To grudge God’s angels though aware
That he in mercy call them home—
Their little feet to never roam
In paths of sorrow or of sin,
But safe, in his loving arms within!
aus NursingClio.org

Dieses Gedicht zeigt übrigens auch die Kraft, in der Trauer Sinn zu finden, hier in der Religion, die sicher ein starker Sinnstifter sein kann.

Alle drei Beispiele zeigen den Schmerz über den Verlust, mit dem sich auch heutige Eltern von Sternenkindern identifizieren können.

Auch hier gilt: Es sind einzelne Reaktionen, die uns überliefert sind. Sprechen sie für eine gesellschaftsweite Praxis? Nein. Aber dafür, dass auch Eltern in einer Gesellschaft, die häufiger mit dem Tod konfrontiert war, das Sterben ihrer kaum gekannten Kinder beklagen.

Traufkinder und andere Beispiel für Fürsorge um frühere „Sternenkinder“

Für einige Kirchen ist die Praxis von Gräbern für „Traufkinder“ belegt. Der Hintergrund: Babys, die tot zur Welt kamen, durften nicht getauft werden. Im christlichen Glauben bedeutete dies lange, dass sie nicht „erlösungswürdig“ waren, also nicht ins Paradies einziehen durften. Nach einigen theologischen Diskussionen wurde schließlich festgelegt, dass still geborene Kinder in Vorhimmel kamen, also zwar nicht in die Hölle aber eben auch nicht ins Paradies (und damit in ein Wiedersehen in der Ewigkeit), da die Taufe sie ja nicht von der ursprünglichen Erbsünde befreit hat.

Um den in der Schwangerschaft verstorbenen Babys doch noch die Möglichkeit einer Hintertür zu öffnen, gab es verschiedene Tricks. So wurden manche still geborenen Kinder zu einer Wallfahrtskirche gebracht und dort auf einem Altar unter Anrufung Marias auf Leben getestet, indem eine Feder über ihr Gesicht platziert wurde. Bewegte sich die Feder (in zugigen Gebäuden mit Kerzen als Beleuchtung keine ganz unwahrscheinliche Situation), konnte das als Lebenszeichen – Atem – gesehen werden und das Kind wurde auf der Stelle getauft.

Anderorts entstanden sogenannte Traufgräber: eine Grabreihe für still geborene Kinder, die direkt an der Kirchenwand und unter der Dachrinne (Traufe) war. Hier würde, so der Volksglaube, das Regenwasser vom Dach auf die Gräber tropfen… und dieses Regenwasser war als Wasser auf dem Dach der Kirche ebenfalls geweiht, nachdem der Pfarrer das Wasser in der Kirche gesegnet hatte. So wurde im Volksglauben eine Art Ersatztaufe ertrickst.

Auch wenn für Gläubige wie die Kirche der Faktor eine Rolle spielt, keine Seele für das Paradies zu verlieren*, frage ich mich: Spricht das Bemühen um eine Taufe um jeden Preis nicht dafür, dass auch still geborene Babys als Kinder gesehen wurden, die erwartet wurden oder die um jeden Preis das Beste (der Situation) verdienten? Ist das nicht das, was Eltern tun?

*Ein Beispiel, dass die Kirche alles tat, um möglichst wenig Kinder ungetauft zu verlieren, sind die In-utero-Nottaufen, wie das Taufen von Körperteilen, die unter der Geburt schon zu sehen waren, oder die Entwicklung der sogenannten Taufspritze.

Historische Beispiele für Trauer um Kinder: Persönliches Fazit

Sagen diese einzelnen Beispiele etwas Finales darüber aus, wie es zeitgenössischen Eltern nach dem Tod ihres Kindes ging? Eine eindeutige Antwort kann ich hier nicht geben.

Die oben zitierten überlieferten Zeugnisse sprechen für mich dafür, dass Eltern auch „früher“ um ihre Kinder getrauert haben – zumindest einige. Und dass sie ihrer Trauer Raum geben wollten, oder ihren Kinder ein Denkmal setzen wollten.

Meine Annäherung an eine Antwort besteht aus drei Teilen:

Möglicherweise wirkt die Vergangenheit bei diesem „schweren“ Thema für uns stumm, weil es nur wenige Überlieferungen gibt, denn geschrieben haben in vielen Zeiten nur wenige Menschen, überliefert wurde noch weniger – in der Regel haben wir es mit Herrschaftsgeschichte zu tun. An persönlichen Zeugnissen von Trauerklagen sind z. B. nur Briefe berühmter Persönlichkeiten erhalten.

Das ist mehrfach „biased“: zum bildet diese Gruppe Menschen kaum eine ganze Gesellschaft ab, das ist ein generelles Problem in der Sozialgeschichte. Und dann sind die meisten historischen Dokumente von oder über Männer geschrieben. Beim Thema Tod des Kindes ist es leider relevant, wenn die Perspektive der Mütter so gut wie fehlt.

Was bedeutet das? Die Abwesenheit von Zeugnissen von Trauer heißt nicht unbedingt, dass Eltern keine Trauer oder keinen Verlustschmerz verspürt haben. Sie heißt erst mal nur, dass wir keine Zeugnisse darüber haben.

Ein zweiter Faktor kommt hinzu: Möglicherweise fand die Klage der Eltern nicht oder nicht öffentlich statt. Denn der Ausdruck von Trauer – im Englisch als„”Mourning“ bezeichnet – ist gesellschaftlich geprägt, auch heute. Und diese Trauer als soziokulturell geprägte Form gibt es nicht gleich stark – oder vergleichbar – zu jeder Zeit, für jeden Todesfall oder in jeder Gesellschaft. Und doch taucht sie in Kunst und Literatur wie in persönlichen Zeugnissen auf.

Daneben gibt es „Grief“, den individuellen, innerlichen Schmerz über den Verlust. Und die kann es trotzdem gegeben haben, auch wenn es nicht in jeder Gesellschaft eine passende „Form“ für das im Inneren erlebte gibt, und Trauer in bestimmten Fällen keine öffentliche Form findet.

Und schließlich: Möglicherweise waren die individuellen Trauerreaktionen verwaister Eltern auch früher so unterschiedlich, wie sie es heute auch sind. Und daraus erklärt sich, dass ein Lessing oder ein Rückert schwer klagten, während von Zeitgenossen kaum bekannt ist, ob ihre Kinder überlebt haben – oder ob ihre Frauen nach heutigem Maßstab als schwer traumatisiert gelten würden.

de_DEDE
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