Der Tod und die Angst: Wenn ein Elternteil stirbt
Der Tod macht uns Angst, besonders überraschend für viele Trauernde auch nach dem Tod eines Elternteils.
Im Artikel lesen Sie,
- was uns speziell nach dem Tod der Eltern beschäftigen kann,
- was uns darüber hinaus Angst macht,
- wie Sie mit Ihren Anliegen umgehen lernen können.
Der Tod der eignen älteren Eltern, wenn man selbst als „Kind“ bereits längst erwachsen ist, trifft viele Menschen härter, als sie annehmen.
Nicht selten, meldet sich diese Trauer erst nach ein paar Wochen. Das hat manchmal sehr praktische Ursachen: War der verstorbene Elternteil krank oder pflegebedürftig, starten Trauernde oft aus einer regen Geschäftigkeit und nicht selten mit Erschöpfung in die Trauer.
Und auch ohne Pflegesituation gab es in vielen Familien eine Art Umkehr der Rollen, sodass die Kinder Sorge für die Eltern übernehmen.
Diese findet mit der Beisetzung oder Auflösung von Haus oder Wohnung oft eine Verlängerung. Und danach kehrt eine ungewohnte Ruhe ein. In diese bricht die Trauer dann nicht selten hinein, und durchaus überraschend.
Klient_innen erzählen mir dann manchmal,
- dass sie sich selbst nicht wiedererkennen;
- dass sie ungeduldig sind;
- dass sie die Eltern vermissen, auch wenn sie erleichtert sind, dass ein Elternteil zum Beispiel nach einer Krankheit nicht leiden muss;
- dass sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie (auch) Erleichterung fühlen.
Der Tod der Eltern beschäftigt uns
Im ersten Teil der Artikelserie über die Trauer um ein Elternteil gibt es mehr zum Umgang mit der Trauer nach dem Tod der Eltern. In diesem Artikel geht es um Faktoren, die dazu beitragen, dass Ihre Trauer Sie stärker beschäftigt, als Sie angenommen hätten.
Eine Generation aufgerückt
Mit dem Tod der Eltern rutschen wir eine Generation auf. Vielleicht sind wir plötzlich die nächste Generation, die vermutlich sterben wird. Das macht Angst. Für viele Erwachsene ist der Tod der eigenen Eltern übrigens die erste Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, und diese ungebetene Begegnung kann intensiv sein.
Und selbst bei guter Bekanntschaft mit Tod und Sterben entkommen wir beim Tod der Eltern der Einsicht nicht mehr, dass wir altern. Auch das fällt nicht immer leicht.
Vielleicht können Sie sich auch fragen: Was ist mir wichtig im Leben? Was möchte ich noch erleben? Und was möchte ich hinterlassen?
Beziehung war prägend, positiv wie negativ
Ob man nun eine gute Beziehung zu den Eltern hatte oder eine schwierige, auch mit eventuell ungeklärten Konflikten: Der Verlust ist oft so einschneidend, weil Eltern in der Regel prägend sind.
Und das gilt unabhängig davon, ob das Verhältnis zu den Eltern gut oder schlecht war; in beiden Fällen stirbt eine prägende Person.
Komplexe Gemengelagen können die Situation verkomplizieren, zum Beispiel, weil nach einer komplexen Beziehung eine Aussöhnung fehlt oder weil längst verdaut Geglaubtes sich noch einmal zeigt.
Nach längerer Krankheit kann es als verwirrend erlebt werden, wenn ein kleiner Teil Erleichterung fühlt.
Tod der Eltern bedeutet manchmal auch: Alleinsein
War das Verhältnis zu den eigenen Eltern gut, spüren manche erwachsene Kinder ein Alleinsein, das sie nicht erwartet hätten: Sie haben den Rückhalt der Eltern lange nicht mehr gebraucht, ihn eventuell in den vergangenen Jahren sogar zurückgegeben.
Und dann schmerzt die Erfahrung: Diese Menschen, die mir den Rücken gestärkt haben, fehlen nun für immer. Daher kommt nach dem Tod der Eltern manchmal ein Gefühl von Alleinsein auf. Übrigens auch, wenn der Partner oder die Partnerin als ebenso unterstützend erlebt wird.
Kennen Sie dieses Gefühl? Dann nehmen Sie sich die Freiheit, das zuzugeben. Und: Finden Sie vielleicht sogar eine Möglichkeit, Ihren Eltern dankbar zu sein für das, was sie Ihnen mitgegeben haben? Oder Ihnen zu verzeihen für das, was Sie belastet hat?
Rituale und Gewohnheiten müssen neu verhandelt werden
Mit dem Tod von Eltern gehen Rituale oder Familiengewohnheiten verloren, das wörtliche „Zuhause“ wie das sprichwörtliche. Wo oder wie wird Weihnachten gefeiert? Wo sieht man die Geschwister? Wer kann den Streuselkuchen genauso backen? Diese sogenannten Sekundärverluste wirken sich unterschiedlich stark aus, je nach Familiendynamik.
Apropos Familiendynamik: Menschen trauern unterschiedlich. So wie man auch andere Dinge verschieden verarbeitet. In der Trauerliteratur gibt es die Begrifflichkeiten von Trauerstilen. Und je nach Verteilung entsteht unter Geschwistern schnell der Vorwurf: „Du trauerst ja gar nicht (richtig)“. Auch das belastet manche Trauernde zusätzlich.
Kann man sich auf den Tod der Eltern vorbereiten?
Ich schließe mit einem Punkt, der an den Eingangsgedanken anschließt: Auch wenn wir wissen, dass unsere Eltern vermutlich vor uns sterben, sind viele von uns auf ihren Tod nicht vorbereitet, selbst nicht nach längerer Krankheit oder Pflege. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt das Sprichwort nicht umsonst.
Ist das seltsam? Vielleicht nicht.
Dass wir als Gesellschaft aber so wenig über die Trauer, ob nach dem Tod der Eltern oder nach einem anderen Verlust, wissen – das finde ich schon seltsam. Und dagegen können Sie etwas tun: Sprechen Sie mit Menschen in Ihrem Umfeld. Oft ist es Unsicherheit, die Menschen davon abhält, bei Trauernden nachzufragen.
Wenn das für Sie keine Option ist: Sprechen Sie mich an, für eine Einzelbegleitung oder eine Gruppenteilnahme.
→ Infos über eine Trauerbegleitung als Einzelgespräch (in München oder online)
→ Hier geht es zu den Infos über die Online-Trauergruppe “Nach dem Tod eines Elternteils“.
Haben Sie Fragen, die im Artikel nicht abgedeckt sind? Schreiben Sie mir hallo at trauer-coaching.de
Petra Meyer
Coachin und Trauerbegleiterin München und remote
Veränderungen mit Zuversicht und Empathie begleiten
